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Aktuelle Informationen zum Senkungskessel 1 in Lutherstadt Eisleben

Auf dieser Seite erhalten Sie einen kurzen Überblick über den derzeitigen Wissensstand und die Erkenntnisse der aktuellen Untersuchungen.

Was passiert im Bereich des Senkungskessels 1?

Das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB) möchte im Rahmen seiner Zuständigkeit seiner Informationspflicht nachkommen.

Im Bereich des Senkungskessels 1 zeigen sich neben einer erhöhten Senkungsgeschwindigkeit aktuell eine Verlagerung des Senkungskessels nach Osten und eine bereichsweise Zunahme der Senkungsgeschwindigkeiten vorrangig im Bereich der Hessestraße. Die Ursache für die Verlagerung und bereichsweise Zunahme der Senkungsgeschwindigkeiten ist derzeit unbekannt.

Im Raum von Eisleben sind im tieferen Untergrund wasserlösliche Gesteine des Zechsteins (Steinsalz, Gips- / Anhydrit- und Karbonatgesteine) verbreitet, die einer natürlichen Subrosion (Auslaugung, Verkarstung) unterliegen. Der dadurch im Untergrund entstandene Substanzverlust kann sich durch Geländesenkungen an der Erdoberfläche zeigen, die in der Regel weitgespannt und mit geringer Senkungsintensität verlaufen (bis zu 2 mm/Jahr).

Durch den Kupferschieferbergbau wurde in das Grundwasserregime eingegriffen (Grundwasserhaltung bis 1970 und Wiederanstieg infolge Flutung bis 1981) und damit die natürliche Subrosion, besonders an den Salzgesteinen, beeinflusst. In deren Folge traten in mehreren Bereichen der Stadt starke Senkungen auf. Diese führten zur Ausbildung von fünf engräumigen Senkungsstrukturen, sogenannten Senkungskesseln. Zwei davon – der Senkungskessel 1 im Bereich der Clara-Zetkin-Straße und der Senkungskessel im Bereich des Stiftsteichs – sind noch aktiv und zeigen aktuell weiterhin erhöhte Senkungsraten von maximal bis zu 60 mm/Jahr.

Der Senkungskessel 1 ist kleinräumig ausgebildet und als eher eng begrenzt anzusehen. Der Randbereich des Senkungskessels mit Senkungen von bis zu 5 mm/Jahr befindet sich im Bereich folgender Straßen: Rammtorstraße, Friedrich-Koenig-Straße, Schönerstedtstraße, Geschwister-Scholl-Straße und Rammberg.

Das Zentrum des Senkungskessels mit Senkungen von bis zu 60 mm/Jahr befindet sich im Bereich Clara-Zetkin-Straße und Hintere Siebenhitze.

Aktuelle Untersuchungen

Um aktuelle Erkenntnisse zum Untergrund zu gewinnen, werden zwei sich ergänzende geophysikalische Verfahren – Gravimetrie und Seismik – angewendet. Beide Verfahren werden durch die Firma Geophysik GGD aus Leipzig ausgeführt.

Gravimetrie

Die gravimetrische Untersuchung erfolgte im April 2026 und ist bereits abgeschlossen. Derzeit erfolgt die Auswertung der bei der Messung gewonnenen Daten.

Die Gravimetrie nimmt Veränderungen des Schwerefeldes der Erde, aufgrund von Dichte-Inhomogenitäten im Untergrund, auf. In einem Gravimeter ist im Prinzip eine Masse an einer Feder aufgehängt. Da, wo schwere Gesteine im Untergrund sind, wird die Feder weit ausgelenkt. Da wo Gesteine niedrigerer Dichte im Untergrund vorhanden sind, wie das bei einer Auflockerungszone zu erwarten ist, wird die Feder weniger stark ausgelenkt.

Bereits 1976 erfolgte so eine Messung an ausgewählten Punkten im Bereich des Senkungskessels. Diese Punkte wurden 50 Jahre später erneut gemessen, um potentielle Veränderungen über den Zeitraum von 50 Jahren feststellen zu können. Zudem wurde das Messnetz bei der aktuellen Messkampagne verdichtet, um das Ergebnis zu verfeinern.

Nach der Auswertung der Ergebnisse der Gravimetrie wird die Lage eines Seismikprofils festgelegt.

Sobald die Informationen zu den Ergebnissen vorliegen, werden diese auf dieser Informationsseite bereitgestellt.

 

Seismik

Die Durchführung der seismischen Untersuchungen in Eisleben ist, nach Auswertung der Ergebnisse der Gravimetrie, für die zweite Jahreshälfte geplant.

Bei einer Seismik wird eine künstliche kleine Erschütterung ausgelöst. Das wird entweder durch ein Fallgewicht oder durch einen Vibrator geschehen. Die Wellen breiten sich im Untergrund aus, werden an den Schichtgrenzen reflektiert und durch kleine Messaufnehmer, die entlang der Straße verteilt werden, aufgenommen. Dadurch bekommt man ein Reflexionsbild des Untergrundes. Insbesondere die gemeinsame Auswertung mit der Gravimetrie könnte dann eventuelle Schwachstellen im Untergrund aufzeigen.

Eine Sorge um die vorhandene Bebauung durch die künstlich erzeugten kleinen Erschütterungen ist unbegründet, da solche Schwingungen nicht stärker als ein vorbeifahrender LKW sind. Derartige Messungen wurden schon oft in Stadtgebieten durchgeführt. Die Seismik wird durch Erschütterungsmessungen an den jeweils benachbarten Häusern begleitet. So wird sichergestellt, dass die Erschütterungen keine Stärke erreichen, die nach DIN 4150 die Bausubstanz gefährden könnten. Sollten die Schwingungen in die Nähe der Grenzwerte kommen, wird die Stärke herunter geregelt oder es werden Anregungspunkte ausgelassen. Die Hausfassaden werden vorsichtshalber auch im Vorfeld der Messung fotografisch dokumentiert.

Geologischer Überblick

Eisleben befindet sich regionalgeologisch am Südwestrand der Mansfelder Mulde. Die Mansfelder Mulde besteht in diesem Bereich aus oberflächennahem Lockergestein des Quartär, darunterliegenden Gesteinen des Unterer Buntsandsteins (Trias) und des Zechsteins, die den Gesteinen des Permokarbons aufliegen.

In der Mansfelder Region ist der Kupferschiefer und dessen Abbau bekannt. Der Kupferschiefer stellt die unterste Schicht des Zechsteins dar und weist eine Mächtigkeit von durchschnittlich 30 cm auf. Oberhalb des Kupferschiefers sind verschiedene weitere Gesteine abgelagert, zu denen auch die wasserlöslichen Gesteine (Steinsalz, Gips- / Anhydrit- und Karbonatgesteine) gehören. Durch den Kontakt mit Wasser kommt es zur Auslaugung (Verkarstung) dieser Gesteine. In Abhängigkeit von den gebirgsmechanischen Eigenschaften der Deckschichten kann es zu Auswirkungen an der Geländeoberfläche kommen, die sich, je nachdem ob Gips bzw. Anhydrit oder Salz gelöst wird, als bruchhafte (Erdfälle) oder bruchlose (Senkungen) Oberflächenveränderungen zeigen können.

Im Bereich des Senkungskessels 1 zeigt sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine bruchlos verlaufende Senkung (siehe Historie).

Eine Verkarstung der Gesteine kann solange von statten gehen, bis das Grundwasser an Salzen gesättigt ist und somit die Auflösung der Gesteine zum Erliegen kommt. Allerdings wird die durch Grundwasser verursachte natürliche Gesteinsauflösung bspw. durch erhöhte künstliche Wasserzufuhr und verbesserte Durchflussbedingungen infolge von Versickerung oder bergbaulichen Eingriffen in das Wasserregime, da hier eine Übersättigung nicht oder verzögert erfolgen kann, begünstigt.

Historie zum Senkungskessel 1

Zur Überwachung der vonstattengehenden Geländebewegungen, vorrangig Senkungen, wurde im Stadtgebiet von Lutherstadt Eisleben sowie später im Umfeld des Stiftsteiches (westlich von Eisleben gelegen) ein Messnetz von Vermessungspunkten – ein Nivellement – eingerichtet. Das bedeutet, dass an einer Vielzahl von eingerichteten Messpunkten eine regelmäßige Vermessung erfolgt, an Hand derer die Bewegungen der einzelnen Messpunkte erfasst werden (Abb. 1).

Derzeit werden nivellitische Senkungskontrollmessungen im Bereich von Eisleben jährlich bzw. im Senkungskessel 1 halbjährlich, beauftragt durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), und im Bereich des Stiftsteiches halbjährlich, beauftragt durch das LAGB, durchgeführt.

Erste Senkungen von insgesamt bis zu 4 m traten im Bereich Rammberg bereits zwischen 1892 bis 1907 auf. Danach zeigten sich bis zur Flutung des Grubengebäudes in 1970 eher geringe Senkungen (gesamt bis zu 1,25 m) mit dem Senkungszentrum im Bereich Clara-Zetkin-Straße. Mit Einstellung der Wasserhaltung innerhalb des Mansfelder Kupferschieferbergbaues und dem damit einhergehenden kontrollierten Wasser-Wiederanstieg kam es zum Überstau der Zechsteinsalze. Erwartungsgemäß trat hier eine kurzzeitige Beschleunigung der Senkungsgeschwindigkeiten auf (1974 – 1977 Senkungen insgesamt bis zu 2 m, Abb. 2). Mit dem Überstau der Salzgesteine (Aufsolung Grundwasser führt zu Hemmung der Auflösung) ab 1977 trat der erwartete Rückgang der Senkungen im Bereich des Senkungskessels 1 nicht ein. Es zeigen sich auch aktuell (Abb. 2) weiterhin relativ hohe Senkungsbeträge mit Senkungen von bis zu 60 mm/Jahr im Zentrum des Senkungskessels.

Die Ursachen des weiteranhaltenden Senkungsgeschehens sind hier karstgeologisch noch nicht abschließend geklärt. Offensichtlich hängt dies mit den lokalen geologischen Randbedingungen (Steinsalzverbreitung und -mächtigkeit, geomechanischem Verhalten des Deckgebirges, Lage des Gebietes am Rand einer Störungszone u.ä.) zusammen.

Aufgabe des Geologischen Dienstes Sachsen-Anhalt

Das LAGB ist, entsprechend Geologiedatengesetz (GeolDG), für die Erkennung, Untersuchung und Bewertung geogener oder anthropogener Risiken zuständig (§1). Zu den geogenen Risken gehören u.a. Verkarstungserscheinungen, wie der lokale Senkungskessel 1 in der Lutherstadt Eisleben. Die Aufgabe des LAGB ist es, bei Erkenntnis über dringende Geogefahren, die für die Durchführung der Gefahrenabwehr zuständige Behörde zu informieren (GeolDG, §5, Absatz 1).

Das LAGB ist nicht für die Begutachtung und Bewertung von Rissen oder Schäden an Gebäuden zuständig, hierfür sind entsprechende Sachverständige heranzuziehen.

Meldung von Georisiken

Dem LAGB werden jährlich durchschnittlich fünf Erdfälle gemeldet, wobei die Anzahl in niederschlagsreichen Jahren höher liegen kann. 

Eine Meldung von Ereignissen kann unter dem Online-Formular oder per Telefon und E-Mail erfolgen:

Kontakt

Dezernat 23 - Rohstoffgeologie, Hydrogeologie und Georisiken

Tel.: +49 345 13197-0

E-Mail: poststelle.lagb(at)sachsen-anhalt.de